Stärkung der regionalen Fischerei

10.05.2019

Gemeinsames Statement von Tourismusverband, Fischereigenossenschaft & Gemeinde


Vorpommern/Greifswald. In den letzten Jahren sind zum Thema Fischerei gegenläufige Tendenzen zu beobachten. Die heimischen Kutter- und Küstenfischer verschwinden aufgrund der immer schwieriger werdenden Situation zunehmend aus den kleinen Küstenorten und mit ihnen ihre Boote, Netze, Ausrüstungen und das maritime Handwerk. Auf der anderen Seite war die touristische Nachfrage nach regional-spezifischen Besonderheiten, Attraktionen, nach typischer Küche und Kulturgütern noch nie so gefragt wie heute. Touristen suchen nach Fischerdörfern mit authentischen und lebendigen Häfen.

Vor diesem Hintergrund entstand das EU-Projekt „Fischmärkte“, welches in diesem Jahr zum Abschluss gebracht werden soll. Ziel ist ein Image-Gewinn des südlichen Ostseeraums als eine Destination mit authentischen Fischerorten, attraktiven Häfen und reichhaltigem Fischereierbe. Erreicht werden sollte dieses Ziel mit der Stärkung der Fischerei sowie der gezielten touristischen Inwertsetzung der kleinen Küstenhäfen mit deren Belebung u.a. durch Fischmärkte.

Die Fischmärkte in Altwarp, Greifswald-Wieck und Freest waren ein voller Erfolg. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit fangfrischen Fisch und andere regionale Produkte zu kaufen und in Kontakt mit den heimischen Fischern zu kommen. Das Interesse an regional-spezifischen Besonderheiten und Attraktionen wurde damit erneut bestätigt. Die Herausforderungen der Fischer sind allerdings nicht kleiner geworden und die Sorge bleibt, dass die lebendigen Häfen bald der Vergangenheit angehören. „Wir befürchten, dass wir den Gästen irgendwann kein Erlebnis „Fisch“ mehr bieten können, sondern nur noch ein Museum. Insbesondere in den kleinen Orten an den Küsten ist die Fischerei essentiell für den Tourismus. Ohne Fischer sind die Häfen leer und austauschbar. Dann bleiben die Gäste aus.“, so Fanny Holzhüter, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Vorpommern e.V., der selbst Projektpartner und Organisator der Fischmärkte in Vorpommern ist.

Besonders deutlich wird das beschriebene Szenario in Orten wie dem Fischerdorf Freest. Ein kleiner Ort auf dem Vorpommerschen Festland mit herausragender touristischer Bedeutung. Erster Anlaufpunkt der Urlauber und Mittelpunkt des Dorfes: Der Fischereihafen. 26 Fischer arbeiten hier noch. Freest ist damit der größte Fischereihafen in ganz Mecklenburg-Vorpommern. In Reisemagazinen hat das Fischerdorf Freest in der letzten Zeit durch seinen lebendigen Hafen Berühmtheit erlangt. Vom tagesspiegel Ostsee über SuperIllu bis hin zur Landleben: Features über das Fischerdorf, die maritimen Traditionen, die Fischer und die leckeren Fischbrötchen.

„Die Fischereigenossenschaft ist der drittgrößte Arbeitgeber in unserer Gemeinde. Freest ohne Fischer, das ist kaum vorstellbar. Doch die Sorgen der Fischer werden immer größer und an Nachwuchs ist nicht zu denken.“, erklärt Holger Dinse, Bürgermeister der Gemeinde Kröslin.

Die Fischereigenossenschaft „Peenemündung“ Freest e.G. ist die Interessensvertretung der Freester Fischer. Vom gefangenen Fisch gibt jeder Fischer 80% in die Genossenschaft, die restlichen 20% können für den Eigenbedarf und Eigenvertrieb verwendet werden. Von einst 40 Genossenschaften sind nur noch 5 in MV übrig.

Michael Schütt, geschäftsführender Vorsitzender der Fischereigenossenschaft kennt die vielen Sorgen seiner Fischer gut. Viele ältere Fischer suchen bereits nach Zweitjobs, die jüngeren ein zweites Standbein, Nachwuchsgewinnung sei schwierig bis unmöglich. Neben der starken Herabsetzung der Heringsquote, die den Fischern zu schaffen macht, sieht Schütt auch die steigende Anzahl der Robben als Problem: „Mit der Rückkehr der Robben gehen Konflikte einher, die einer gemeinsamen Lösung bedürfen. Unsere Fischer berichten zunehmend von zerrissenen Netzen und angefressenen Heringen. Wir brauchen einen Robbenmanagementplan.“, so Schütt.

Ein solcher Managementplan wurde bereits vor einem Jahr auch vom Umweltverband WWF gefordert. Umweltverbände, Fischerei und Wissenschaft sind sich hier einig, während das Land für einen Robbenmanagementplan bisher keine Notwendigkeit sah. Ob sich dies nun bei vielen neuen gesichteten Jungtieren in diesem Jahr ändert, ist noch unklar.

Auch die Entwicklung, dass die kleinen Kutter- und Küstenfischer zu Gunsten der großen Fangschiffe verloren gehen, sei in Freest zu beobachten, so Schütt weiter. Kleine Holzschiffe werden aufgekauft, die frei werdenden Quoten auf großem Fangschiff eines großen Eigners zusammengelegt. Diese Schiffe können in rauere Gewässer vordringen und mehr fangen.

Auch wenn sich das EU-Projekt dem Ende nähert, wollen Tourismusverband und Fischereigenossenschaft sich weiter zusammen dafür stark machen, dass die kleine regionale Kutter- und Küstenfischerei im Land erhalten bleibt. Die Auswirkungen auf den Tourismus seien enorm und dürften nicht unterschätzt werden, mahnt Fanny Holzhüter, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Vorpommern e.V. „Wir wünschen uns eine stärkere Positionierung des Landes und eine deutlichere Unterstützung unserer Fischer. Außerdem müssen wir unbedingt alle zusammen daran arbeiten das Bewusstsein zum heimischen Fisch zu steigern. Das beginnt im privaten Bereich: Statt Fisch aus der Tiefkühltruhe im Supermarkt, sollten wir saisonal verfügbaren Fisch direkt bei den Fischern und in den Verkaufsstellen der Fischereigenossenschaft kaufen.“, plädiert Holzhüter und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Der schmeckt sowieso viel besser.“